Sie bilden den Beirat des Stiftungsfonds (von links): Marianne Schoppmeyer, Hermann Josef Quaing, Sabine Wassong, Ludger Abeln, Barbara Feilmeier und Joachim Berends. Auf dem Foto fehlen: Pfarrer Rainer von Carnap und Sabine Ruelmann.
1,3 Millionen Menschen in Niedersachsen - als jeder Sechste - galten im Jahr 2021 als armutsgefährdet. Davon ist auch die Grafschaft Bentheim nicht ausgenommen. Im Gegenteil: Mit Blick auf das Durchschnittseinkommen liegt der hiesige Landkreis mit 22.812 Euro pro Steuerpflichtigem auf Platz 44 von 49 Kommunen im Land. Das geht aus den Zahlen der jährlich erscheinenden Handlungsorientierten Sozialberichterstattung hervor. Mit einem neuen Stiftungsfonds möchte der Caritasverband für den Landkreis Grafschaft Bentheim nun denjenigen unter die Arme greifen, die dringen auf Hilfe angewiesen sind. "(V)Echte Hoffnung - Hilfe aus der Grafschaft für die Grafschaft" nennt sich der Fonds, der am 5. Dezember 2023 gegründet wurde.
"Wir leben in einem Sozialstaat, aber es gibt immer Menschen, die durchs Raster fallen und für die sich dann niemand mehr zuständig fühlt. An dieser Stelle setzt der Stiftungsfonds ,(V)Echte Hoffnung' an", erklärt Beiratssprecher Hermann Josef Quaing. Dem Beirat gehören weiterhin an: Barbara Feilmeier, Marianne Schoppmeyer, Sabine Wassong, Ludger Abeln, Joachim Berends, Pfarrer Rainer von Carnap und Sabine Ruelmann. Organisiert ist "(V)Echte Hoffnung" als regionaler Ableger unter dem Dach der Caritas-Gemeinschaftsstiftung Osnabrück.
Entstanden ist das Projekt aus der Schulranzen-Aktion heraus, die bereits seit 2016 besteht: Kinder aus einkommensschwachen Familien werden dabei für einen fairen Schulstart mit guten, neuen Tornistern ausgestattet - damit nicht direkt am Ranzen ablesbar ist, ob die Familie arm oder reich ist. Ein neuer Tornister kann inklusive Material wie Tuschkasten an die 280 Euro kosten, weiß Quaing. Die Aktion wurde initiiert durch den Grafschafter Caritasverband und die Kirchengemeinde St. Augustinus, Kooperationspartner sind das Nordhorner Spielwarengeschäft Schulenberg, das einen vergünstigten Ankauf der Ranzen ermöglicht. Die Tafel Nordhorn (auch zuständig für Wietmarschen und Schüttorf), die Initiative Brückenschlag in Emlichheim, der Brotkorb Neuenhaus sowie der Sozialdienst katholischer Frauen sind Kooperationspartner der Aktion. Mittlerweile konnten 597 Schulranzen an Grafschafter Schülerinnen und Schüler ausgegeben werden.
"Im Zuge dieser Aktion hat sich allerdings gezeigt, dass der Bedarf der Menschen sehr breit gefächert ist und weit über das Schulmaterial hinaus geht", berichtet Hermann Josef Quaing. Dabei könne es zum Beispiel um die Übernahme von Fahrtkosten gehen, die von keinem anderen Träger erstattet werden, aber auch um die Förderung von Umschulungen. Gerade bei Alleinerziehenden sei das Geld häufig knapp. Deshalb wurde der Entschluss gefasst, mit dem nun gegründeten Fonds die Hilfe auszuweiten.
Ziel des Stiftungsfonds "(V)Echte Hoffnung" ist mithin laut Ordnung "die Förderung von Mitmenschen in materiellen und sozialen Notlagen, wenn insbesondere rechtlich begründete und institutionell vorgesehene Hilfe nicht im ausreichenden Maß einspringt. Die Hilfe ist zeitlich begrenzt und kann unmittelbar, als auch mittelbar über Projekte, Institutionen und Vereine in der Region Grafschaft Bentheim, erfolgen." Damit unterstützt der Fonds zudem die vielfältige Arbeit des Caritasverbandes, die neben der allgemeinen sozialen Beratung auch die Schuldnerberatung, die sozialrechtliche Energieberatung, die Suchtberatung, die Kurberatung, die Unterstützung des Ehrenamtes und die Pflege umfasst.
Wie auch bei der Schulranzen-Aktion, gilt bei dem neuen Stiftungsfonds das Fürsprecher-Prinzip: Die bedürftigen Menschen melden sich also nicht selbst, sondern Institutionen und Einrichtungen - wie etwa Schulen - beantragen die Hilfen. So ist sichergestellt, dass der Bedarf tatsächlich gegeben ist, und eine aufwändige Prüfung seitens der Caritas entfällt. Die Unterstützung muss aber nicht zwingend finanzieller Art sein: Sie kann auch durch die oben genannten Dienste der Caritas im COMPASS Diakonie-Caritas-Haus in Nordhorn geleistet werden.
Mit dem früheren TV-Moderator Ludger Abeln, der heute als Vorstandsvorsitzender der Caritas-Gemeinschaftsstiftung Osnabrück fungiert, befindet sich ein überregional bekanntes Gesicht in den Reihen der Beiratsmitglieder. Am Mittwoch, 20. Dezember, hielt Abeln eine Lesung in der St. Augustinus-Kirche in Nordhorn zugunsten des neuen Stiftungsfonds. Bei dieser ersten Aktion konnten 750 Euro an Spendengeldern eingenommen werden.
Auch weiterhin sind die Verantwortlichen des Fonds dankbar für Spenden. Wer helfen möchte, kann alle Informationen dazu im Internet unter www.compass-grafschaft.de finden.